Daemon (5/5)

Ich vertraue Coon.

Ich bin erst seit wenigen Tagen an ihrer Seite, doch es fühlt sich an, als wäre ich schon ewig bei ihr gewesen. Ich kann Daddys Daemon nicht einschätzen. Bisher konnte Coon jeden Daemon mit Leichtigkeit besiegen, aber vor diesem hat sie Angst. Es ist egoistisch von mir, aber ich muss wissen, dass es Daddy gut geht, bevor ich endgültig verschwinde.

Alles verändert sich.

Ich lachte lauthals. „Nein. Nein, tut mir leid“, brachte ich schließlich heraus und holte mein Handy aus meiner Tasche. „Du gehst schön wieder nach Hause.“ Andrew lief rot an.

„Wenn du Samantha anrufen willst, ihr Telefon ist aus“, sagte er und ich hielt inne. „Sie steckt mitten in der Prüfung, schon vergessen?“ Keep Reading…

Daemon (4/5)

Coon steht auf.

Sie sagt kein Wort, sondern geht in ihre Wohnung und wirft ihre Klamotten in einen Koffer. Als sie fertig ist, gehen wir nach unten. Rock gibt ihr einen Umschlag, dann umarmt er sie und entschuldigt sich, aber Coons Gesicht bleibt unbewegt. Wir verlassen die Basis.

Der Schneesturm wird stärker.

„Das sollte für´s erste genügen“, sagte ich und ließ mich auf das Hotelbett fallen. Es war eine billige Absteige, aber ich musste sorgsam mit meinem Geld umgehen. Der letzte Check von Rock würde mich eine Weile über Wasser halten, aber ich brauchte dringend einen Job. Und weiterhin als Hunterin zu arbeiten, war in diesem Distrikt nun fast unmöglich. Keep Reading…

Daemon (3/5)

Ich fühle mich lebendig.

Die Erinnerung an mein altes Leben verschwimmt. Die Finsternis ist in mir, wird immer größer. Alles außer Coon verblasst. Sie ist die Einzige, die mich vor der Dunkelheit bewahrt. Ich kann sehen, dass sie sich Sorgen macht.

Ich werde sie nicht enttäuschen.

„Na, das erklärt einiges“, murmelte ich und sah zurück zu der Kamera. Kein Wunder, dass Kriguard das nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen wollte. Er wirkte nicht gerade wie der verständnisvollste Vater.

„Bitte verschon sie“, flehte Reagan mich an und Christophers tränenüberströmtes Gesicht blitzte wieder in meinen Gedanken auf. Konnte ich noch einmal jemanden so viel Schmerz zufügen? Keep Reading…

Daemon (2/5)

Der Schmerz kommt unerwartet.

Ich schreie, aber meine Stimme klingt weit entfernt. Ms. Thynlee lässt meine Hand los. Ich schlage auf dem Boden auf. Alles verschwimmt, der Schmerz kriecht kalt durch meinen Hals und wandert durch meine Adern. Ich ringe nach Luft, aber meine Muskeln gehorchen mir nicht mehr. Mein Blut gefriert. Ich öffne ein Auge. Ich kann nur einen schwarzen Schleier und einen weißen Fleck erkennen. „Daddy…“

Mein Herz schlägt nicht mehr.

Ein Jahr zuvor…

„Decedere. Occidere. Mori. Decedere. Occidere—“

Der Daemon zischte und schoss auf mich zu, sein gewaltiger Kiefer weit geöffnet, die schwarzen Zähne bedeckt mit gelben Geifer. Ich presste die Handflächen fester nach vorne. „Haesitare!“ Der Daemon wurde im Sprung zu Boden gerissen und landete nur wenige Meter vor meinen Füßen. Ich widerstand dem Drang, mir den Schweiß von der Stirn zu wischen. Die Exzision dauerte bereits seit zwanzig Minuten an. Zwanzig Minuten, in denen jeder Atemzug mein letzter sein konnte.
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Daemon (1/5)

Leise fluchend zog ich meinen nachtblauen Mantel enger und stemmte mich gegen den Schneesturm, der mich auf dem Rückweg vom Bahnhof überrascht hatte. Nach drei Wochen außerhalb der Grenzen wollte ich nur einen Wodka und ein heißes Schaumbad, bevor ich die nächsten drei Tage durchschlief. Bei dem Gedanken an meine warme Wohnung zog sich mein Brustkorb sehnsüchtig zusammen.

Hinter mir nahm ich das Röhren eines heranfahrenden Autos wahr. Wenige Sekunden später raste es dicht an mir vorbei. Die Reifen schnitten durch den braunen Schneematsch und eine Woge Eiswasser spritzte auf den Bordstein und durchtränkte meine Jeans.

„Fucker“, schrie ich dem Autofahrer hinterher und bereute es sofort wieder, als sich die warme Luftblase unter meinem Kragen in die Nacht verflüchtigte. „Gottverdammte…“

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