Meine Freundin, der Tod

Sie trug schwarz, als sie mich das erste Mal im Krankenhaus besuchte.

Ich kannte sie. Seit einigen Monaten folgte sie mir wie ein Schatten. Erst hielt ich sie für einen Tagtraum, dann für einen Stalker, eine Wahnsinnige. Ihre Haut war milchig weiß, das schwarze Haar hüftlang und seidig. Die Augen saßen in violetten Höhlen über scharfen Wangenknochen. Bei unserem ersten Gespräch drehte ich mich abrupt um und stellte sie zur Rede.

„Warum verfolgst du mich?“

„Ich verfolge dich nicht“, sagte sie. „Ich begleite dich.“

Ich floh, zu verwirrt, um zu diskutieren. Am nächsten Morgen entdeckte ich sie wieder auf der Straße. Allmählich gewöhnte ich mich an ihre Anwesenheit. Ihr dünner Mund und die wachen Augen beruhigten mich, verankerten mich in der Realität. Spendeten Trost, als ich die Diagnose bekam. Keep Reading…

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Caelwards Stille

Trystan schlug die Augen auf. Die Rufe von Händlern, das Quengeln kleiner Kinder und das Bersten eines Tonkrugs drangen zu ihm empor — das rege Markttreiben weckte ihn wie jeden Morgen bei Sonnenaufgang, zuverlässig wie ein Uhrwerk.

Er rieb sich den Sand aus den Augen. Das laute Knurren seines Magens erinnerte ihn daran, dass er seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Höchste Zeit, das zu ändern.

Mit raschen Schritten verließ er das Zimmer und lief die schiefe Treppe hinunter, auf deren morsche Stufen Tageslicht durch das staubige Fensterglas fiel. Keep Reading…

Die Gläserne Pfeife

Der Tag, an dem mein Meister mich in sein Atelier brachte, war der Tag, an dem er meine Ausbildung für beendet erklärte. Für diejenigen, die mit seiner Lehre nicht vertraut sind, mag dies nach einem wenig bedeutsamen Moment klingen, doch wisset, dass mein Meister ein Gott ist, und ich sein Erbe.

Götter sterben.

Und wie alle Meister ihres Fachs müssen auch sie eines Tages ihre Sterblichkeit anerkennen und einen Nachfolger wählen, der ihr Lebenswerk fortführt. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Keep Reading…