Finn Fynn und der Teufel (1/3)

Der Teufel war ein Crossdresser.

Es war nur eine der Überraschungen, die mich nach einem schnellem Fall und einer langen Wartezeit vor den Toren der Hölle erwartete – und mit Sicherheit nicht die Schockierenste, wie ich bald feststellen sollte.

Ich kratzte mich im Nacken, wo der Aufprall auf Beton mein Genick gebrochen hatte, und wartete geduldig. Der Teufel war eine viel beschäftigte Persönlichkeit. Seiner Arbeit nachzugehen, schien eine der niedrig priorisierten Tätigkeiten zu sein und verübeln konnte ich es ihm nicht.

Wer kümmerte sich schon gerne um jammernde Tote?

Vor mir heulte ein kleines Mädchen. Sie kniete auf dem karierten Hallenboden und umklammerte ihre dünnen Beine.

Genervt begutachtete ich ihren Hinterkopf. Sie war mit Abstand die jüngste in der Schlange. Der Anteil alter Knacker übertraf sogar den der Sonntagsmesse um 9:00 Uhr, was ich auf die allmähliche Befreiung der Jugend vom kirchlichen Dogma zurückführte. Ich selbst hatte mich schon lange von Religion, Gott und allen anderen 2000 Jahre alten Märchengeschichten abgewandt. Und zu Recht. In der Bibel stand schließlich nichts von Ex-Engeln in Frauenkleidern.

Das hysterische Schluchzen erinnerte mich sehr an Amelie, kurz bevor sie mich verlassen hatte.

Du kannst überhaupt nicht lieben, oder?!“, hatte sie geschrien, bevor sie die Tür meines Apartments mit einem Knall zuschlug und mich allein in meinem Arbeitszimmer zurückließ.

Endlich ist sie weg, hatte ich gedacht.

„Nächster!“, krächzte der Teufel und die Schlange bewegte sich ein Stück nach vorne. Ich reckte den Hals, um zu sehen, wohin er die letzte Person geschickt hatte, aber außer dem Teufel, der in schwarzen Pumps und Cocktailkleid auf dem Schreibtisch saß und mit einem goldenen Kugelschreiber auf ein Klemmbrett kritzelte, konnte ich niemanden sehen.

„Nächster!“, wiederholte sein Helfer, ein drolliges Baby mit Haut so rot wie eine Paprika, das in schwarzem Anzug neben dem Schreibtisch stand und seine Sonnenbrille zurechtrückte.

Gut. Das Ding war auch noch da. Dann wiederum reichte es kaum über den Tisch und ich fühlte mich nicht genötigt, den roten Gnom als vollwertige Person zu zählen.

Nur noch zwei andere Tote trennten mich von meinem Schicksal, was immer es sein mochte. Das kleine Mädchen und ein gebrechlicher Mann, der schlotternd einen Fuß vor den anderen setzte, über seine Füße stolperte und vor dem Teufel auf die Knie fiel.

„Räudiges Pack“, sagte der Teufel. „Vier! Nächster!“

„Vier. Nächster!“, rief der Babymann und drückte einen von zahlreichen Knöpfen auf der Fernbedienung in seinen speckigen Händen. Eine Falltür öffnete sich und der alte Mann verschwand schreiend im Fußboden.

Ich schluckte. Vom Fallen hatte ich für’s Erste genug. Warum war ich auch auf dem Balkon rauchen gegangen? Ich ging nie auf den Balkon. Nie!

Der Teufel studierte seine schwarz lackierten Fingernägel, während die Kleine geduldig vor ihm wartete, schniefend und weinend. Schließlich wandte er sich ihr zu und ließ seine pechschwarzen Augen flüchtig über sie streifen.

„Tamara, oder?“, fragte er. „Bah, was soll ich mit sowas? Schick sie hoch. Nächster!“

„Hoch. Nächster!“, intonierte das Baby und drückte einen Knopf. Tamara kreischte, als die Decke sich über ihr öffnete und sie in die Höhe fiel, so als hätte die Schwerkraft sich umgekehrt.

Himmel und Hölle also. Ich hatte keinen Zweifel, wohin er mich schicken würde.

Amelies wutverzerrtes Gesicht flackerte vor meinem geistigen Auge auf, bevor es durch die gelangweilte, tiefrote Fratze des Teufels ersetzt wurde, die mich träge ansah. Ich machte einen Schritt nach vorne.

„Gestatten, Fynn“, stellte ich mich vor. Wenn ich die Ewigkeit in Folter und Leiden verbringen musste, konnte ich genauso gut einen guten ersten Eindruck beim Chef machen. Man wusste schließlich nie, wie sich die Dinge entwickelten.

Der Teufel sah mich lange ausdruckslos an. „Sieh mir in die Augen“, sagte er und ich tat es. Die Pupillen verliefen waagerecht, wie die einer Ziege, und schienen mich zu verschlingen. „Sehe ich aus, als interessiere mich dein Name, Finn?“

„Fynn“, sagte ich. „Mit Ypsilon.“

„Fynn?“

Ich nickte.

„Finn Fynn.“

Der Teufel gluckste und für einen Moment glaubte ich, ihn für mich gewonnen zu haben. Dann verlor sein Gesicht jeden Ausdruck. „Elf. Nächster!“

Die plärrende Stimme von Babymann. Ein Knopfdruck.

Ich fiel.

Skull Word Big

„Wer war das?“, fragte Amelie, an meinen Massivholzschrank gelehnt, eine perfekt manikürte Hand in gespieltem Desinteresse vor sich erhoben.

„Niemand“, wiederholte ich und fuhr mit meinem Report fort. Ich saß an meinem Schreibtisch und tippte mit flinken Fingern einen Paragraphen nach dem anderen in das Word-Dokument. Amelies nervtötende Fragen halfen meiner Konzentration nicht gerade auf die Sprünge.

„Ihr wirktet sehr vertraut“, fuhr sie ungerührt fort und ich pausierte einen Moment. Amelie sah von ihren Fingernägeln auf. Was fand sie an diesen eckigen Monstern?

„Ihr Name ist Juliette“, sagte ich und hob den Kopf, um ihr in die Augen zu sehen. „Sie arbeitet in dem Büro neben mir, bringt mir Kaffee, wirft meinen Müll raus und hat mich dreimal nach Sex gefragt.“

Was?“ Amelies perfekte Maske der Gleichgültigkeit verrutschte und sie ließ ihre Hand sinken. „Und davon erzählst du mir nichts?“

„Natürlich nicht.“ Ich wandte mich ab und nahm die Arbeit an meinem Report wieder auf. „Du wirst nur wieder hysterisch.“

Ich musste ihr Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass sie schmollte. Ich mochte ihren Mund. Am meisten, wenn er geschlossen war. Außer zu besonderen Anlässen, versteht sich. Ich schmunzelte und tippte weiter.

„Und?“

Ich seufzte. „Und was?“

„Hast du mit ihr geschlafen?“

„Wenn ich das getan hätte, würde ich es dir ganz sicher nicht erzählen, Amelie. Nein, habe ich nicht.“

„Also hast du.“

„Nein.“

„Du lügst.“ Pause. „Schau mich gefälligst an!“ Ich sah auf. Ihre Augen glänzten feucht. „Hast du mit diesem Flittchen geschlafen?“

„Nein. Ich habe nicht mit Juliette geschlafen, auch wenn ihr Po schöner ist als deiner und sie weniger Drama bedeuten würde.“ Ich ließ eine Sekunde des nachdenklichen Schweigens verstreichen, bevor ich fortfuhr. „Wenn ich so darüber nachdenke, gehe ich beim nächsten Mal vielleicht auf ihr Angebot ein.“

Amelies Mund öffnete sich, fassungslos. „Das meinst du nicht ernst.“

„Amelie“, sagte ich müde. „So gerne ich mit dir streite, ich muss diesen Report fertig schreiben, wenn du dich also bitte aus meinem Arbeitszimmer begeben würdest?“

Ohne ein weiteres Wort machte sie auf dem Absatz kehrt und stürmte aus dem Zimmer. Ich hörte ein Splittern, als eine meiner Vasen von ihr zu Boden gerissen wurde, dann das Klack Klack ihrer Pumps.

„Du bist ein Arschloch, Fynn, ein riesengroßes Arschloch!“, rief sie mir aus dem Flur entgegen. „Mach mit dieser Juliette, was du willst, ich verschwinde! Ich bin raus hier, hörst du? Du siehst mich nie wieder!“

Ich legte meine Finger auf die Tastatur, bewegungslos. „Amelie…“, begann ich, doch sie unterbrach mich, bevor ich weitersprechen konnte.

„Du bist ein unsensibles, emotionsloses Stück Dreck, Fynn.“

„Dann geh“, sagte ich entnervt und wandte mich wieder meinem Laptop zu.

„Du kannst überhaupt nicht lieben, oder?“, schrie sie noch, bevor die Tür zu meinem Apartment hinter ihr ins Schloss fiel. Ich seufzte.

Endlich ist sie weg.

Skull Word Big

Elf.

Ebene elf. Stockwerk elf. Höllenlevel Nummer 11.

Ich lag auf dem Rücken wie ein Käfer und bemühte mich, würdevoll auszusehen. Über mir war ein schwarzer Schacht, der durch das rote Deckengewölbe brach und so lang war, dass ich sein Ende nicht einmal erahnen konnte.

„Was machst’n du hier?“

Ich reckte mein Kinn nach oben, um hinter mich sehen zu können. Zwei gigantische Nasenlöcher ragten kopfüber in mein Sichtfeld. Ich schloss die Augen. Was immer mich in der Hölle erwartete, mit Nasenlöchern hatte ich nicht gerechnet.

„Hey ja, Boss, ist das’n Toter? Is‘ der tot?“

„Natürlich is‘ der tot, Gremlin, das is’n verdammter Toter, sonst wär der doch nich‘ hier!“

„Och, stimmt ja. Tut mir leid, Boss.“

Ich wartete auf die unendlichen Qualen, die mich sicherlich bald heimsuchen würden. Die Nasenlöcher hatten mich aus dem Konzept gebracht, aber ich befand mich immer noch in der Hölle. Ich hatte höchstpersönlich mit dem Leiter dieser ganzen Einrichtung gesprochen. Wo blieben die Schmerzen?

„Boss, der bewegt sich nich‘. Warum bewegt der sich nich‘, Boss?“

„Mann, Mann, Mann, Gremlin, du Nichtsnutz, verdammter. Was is’n dein Job hier, he?“

„Och, stimmt ja, Boss, hab‘ ich ganz vergessen.“

Etwas Spitzes piekte in meine Seite. Ich öffnete meine Augen und drehte den Kopf in Richtung des Schmerzes. Ein Babygnom, feuerrot und mit einer Nase so groß wie die Faust, die um den Griff der Heugabel geklammert war. Argwöhnisch stach er in meine Seite. Als er meinen Blick bemerkte, ließ er das Gerät fallen und sprang einen guten Meter zurück.

„Es lebt, Boss, ich glaub, es lebt.“

„Natürlich lebt’s, Gremlin, sonst wär der doch nich‘ hier!“

Verdattert schaute der Gnom namens Gremlin über mich hinweg zu seinem Boss, der auf meiner anderen Seite auftauchte. Er war größer, womit ich sagen will, er war einen Fingerbreit größer als sein unterbelichteter Kollege und stützte sich auf eine zweite Heugabel.

„Rutsch weg da, jetzt“, sagte er zu mir. „Mach Platz, sonst fällt einer von den anderen auf dich drauf.“

Das erregte meine Aufmerksamkeit. Ich war Geschäftsmann. Und von einem anderen Toten erschlagen zu werden, klang nicht nach der Art Geschäft, in die ich investierte.

Ich rollte zur Seite und stand auf. Während ich noch damit beschäftigt war, meinen Anzug abzuklopfen, um den Staub loszuwerden, dackelte Gremlin zu seinem Boss, hielt sich eine Hand vor den Mund und flüsterte etwas in dessen großes, rotes Ohr. Dass ich jedes Wort verstehen konnte, schien ihn nicht weiter zu beunruhigen.

„Das is‘ der erste hier seit langem, oder, Boss? Is‘ der gefährlich? Die kommen hier runter, die Gefährlichen, oder? Mann, Boss, ich hab Schiss glaub ich, richtig Schiss, oh Mann, oh Mann.“

„Jetzt mach dir nich‘ gleich die Windeln voll, Gremlin, das is‘ ja widerwärtig, is‘ das ja.“

„Ja, aber Boss…“

„Wenn der was will, dann hab ich hier meine Heugabel un‘ pieks ihn, dass er sich wundern tut, jawohl!“

„Is‘ gut Boss, ich pieks ihn dann, das is‘ gut, Boss.“

Ich räusperte mich. Als ich mir der ungeteilten Aufmerksamkeit der beiden roten Babygnome sicher war, setzte ich mein geschäftlichstes Lächeln auf.

„Gentlemen“, begann ich. „Erhalte ich eine Einweisung, bevor Sie mich in Ewigkeit hier unten schmoren lassen oder darf ich gehen?“

Gremlin sah mich verständnislos an, bis er den Sinn hinter meinen Worten verstand. „Boss“, sagte er. „Kriegt der ’ne Einweisung?“

„Natürlich kriegt der die, Gremlin, das is‘ unser verdammter Job, is‘ das.“

„Stimmt ja, Boss, stimmt ja. Hab ich ganz vergessen.“

Man sollte meinen, mit zurückgebliebenen Menschen, oder in diesem Fall, Gnomen, zu diskutieren, würde einem die Arbeit erleichtern. Weit gefehlt.

„Lass mich das machen, Gremlin, ich weiß, wie man mit dem Menschenpack umspringt, hab ich oft genug gemacht, hab ich das.“

„Bitte“, sagte ich. „Ich bestehe darauf.“

„Hör zu, Finn Fynn“, sagte er und mit einem Mal klang seine Stimme nicht mehr wie die eines debilen Großvaters, sondern geschäftlich. Ich mochte geschäftlich. Mit Geschäftsmännern ließ sich besser verhandeln als mit senilen Rentnern. Dass er meinen Spitznamen kannte, gab mir jedoch zu bedenken. Er wusste mehr, als er sollte.

„Die Hölle hat vierzehn Level. Du befindest dich auf Level Nummer elf, gemäß deines Boshaftigkeitsmarkers. Du bist frei, dich auf diesem Level zu bewegen. Du bist frei, die Ewigkeit, die dich erwartet, selbst zu gestalten. Es ist dir verboten, diesen Level ohne Erlaubnis zu verlassen.“

„Das klingt zu gut. Wo ist der Haken?“

„Die Art, wie du deinen Tod bestreitest, wird vom Teufel bewertet. Er kann dich Level auf- und abstufen, wie es ihm beliebt. Und wenn du auf Level vierzehn ankommst, kommst du nie wieder hoch.“

„Level vierzehn?“, fragte ich spöttisch. „Was ist an Level vierzehn so besonders?“

Der Boss grinste ein gespenstisches Lächeln und zum ersten Mal fiel mir auf, wie furchterregend die beiden Gnome eigentlich aussahen. Ihre Sprache hatte meine Sinne vernebelt, aber jetzt sah ich die wulstigen, mit Muskeln bepackten Arme und Beine, die gefeilten Zähne, die pupillenlosen, schwarzen Augen. Die Hörner, die sich aus ihren Schläfen wanden und der Länge ihres Kopfes folgten.

Der Boss schnalzte mit der Zunge und lächelte mich an.

„Auf Level vierzehn wartet die wahre Hölle auf dich, Finn Fynn.“

Skull Word Big

Ich wollte eine rauchen.

Amelies Worte verfolgten mich, wenn auch nur deshalb, weil sie so laut geschrien hatte und ich den Klang ihrer Stimme nicht aus meinem Kopf verbannen konnte. Nicht einmal die geschmacklosen MILF-Pornos gestern Nacht hatten ihre Stimme vertreiben können.

Ich hasste es, nicht Herr meiner Gedanken zu sein. Und wenn ich nicht Herr meiner Gedanken war, dann rauchte ich eine.

Ich speicherte meine Datei, sicherte sie doppelt ab und schloss meinen Laptop. Als ich aufstand, entdecke ich Juliette, die mit einem Stapel Dokumente an meiner Tür vorbeiging und mir zulächelte.

Ich nahm mir eine Sekunde Zeit, ihre endlosen Beine und den prallen Hintern zu würdigen, zog eine Zigarettenschachtel aus meiner obersten Schublade und steckte sie in meine Hosentasche. Auf dem Weg nach draußen lief ich in Darren, meinen Boss und Ex-Lover von der guten Juliette, die mir sehr schnell nach dem Ende ihrer alten Beziehung ihr Bett angeboten hatte.

Ich war angetan gewesen, das konnte ich nicht bestreiten, aber meine Beziehung zu Amelie hatte mich abgehalten. Dreimal war ich ihrer Versuchung entgangen. Ich plante, sie beim vierten Mal vollends auszukosten.

„Darren“, begrüßte ich ihn und blieb stehen. „Wie lief das Meeting?“

„Du weißt, wie es lief, Fynn, alter Junge.“ Er lachte und klopfte mir auf die Schulter. „Gehst du eine rauchen? Ich komm mit, warte kurz.“

Am liebsten wäre ich gegangen, aber Darren war mein Boss und dank Juliettes Angeboten, die kein Geheimnis waren, konnte ich mich glücklich schätzen, nicht wegen einer umgeworfenen Kaffeetasse oder ähnlichem banalen Grund gefeuert worden zu sein.

Als Darren zurückkam, nahm er mich am Arm und zog mich mit der Bestimmtheit, die ihm seine Stellung gesichert hatte, nach oben.

Der Balkon hing in einer Häuserecke, vierzehn Stockwerke über der Straße. Der einzige Reiz war die Aussicht an einem nicht bewölkten Tag, aber der Wind war mit Auspuffgasen geschwängert und das hektische Hupen und Quietschen zu schnell beschleunigender Reifen nahm mir jede Aussicht auf Entspannung.

Ich ließ Darren meine Zigarette anzünden und lehnte mich dann über das schmale Plexiglasgeländer. Der Himmel war weiß. Zu viele Abgase in diesem Teil der Stadt. Als Raucher sollte ich mich nicht über verpestete Luft beschweren, aber wen kümmerte das schon. Es war das Zeitalter der ständigen Beschwerden, meine fielen nicht weiter ins Gewicht. Ich atmete eine Rauchwolke aus und genoss den Moment der Ruhe.

Darren war ungewöhnlich still und Amelies nervtötende Stimme in meinem Kopf war zu einem Sirren im Hintergrund mutiert, das ich mit etwas Anstrengung aus meinen Gedanken fernhielt.

Etwas Hartes stieß in meinen Rücken und ich spürte, wie ich vornüber kippte, wie mein Schwerpunkt über die Brüstung wanderte. Wie in Zeitlupe wurde mir bewusst, dass die Straße sehr weit entfernt war und ich sehr weit oben.

Ich ruderte mit den Armen, doch mein Gewicht, unterstützt von der Schwerkraft, zog mich nach unten.

Darrens Stimme drang an mein Ohr, kurz, bevor ich endgültig nach vorne kippte.

„Niemand stiehlt meine Juliette“, sagte er und ich wollte ihn anschreien, dass ich nicht mal mit ihr geschlafen hatte, dass es nicht meine Schuld war.

Aber ich schrie nicht. Ich fiel und ich schrie nicht, spürte nur, wie der Wind gegen mein Gesicht drückte, fester, immer fester, wie ich schneller wurde und dass der Boden unaufhaltsam näher kam.

Der Aufprall war ein lautes Knacken, wie ein Hähnchen, dessen Brustbein man bricht, gefolgt von einem kurzen, scharfen Schmerz und Schwarz.

Diagnose: Gebrochenes Genick. Zertrümmerter Schädel. Frakturen in mehr als zwanzig weiteren Knochen.

Ich war tot.

Skull Word Big

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