Projekte fertig schreiben

Wer meinen letzten Eintrag Die Sache mit Fanfictions gelesen hat, weiß es schon längst, aber für den Rest oute ich mich noch einmal offiziell.

Ich schreibe eine Pokémon-Fanfiction. Seit über zwei Jahren. Und sie ist lang. Sehr lang.

Nein, du hast immer noch kein Konzept davon, wie lang sie ist. Du verstehst es nicht! Selbst, wenn ich dir sage, dass das Manuskript bis zu seinem Ende fast 500k Wörter lang sein wird. Okay, pass auf. 

Eine meiner wohl schlechteren Angewohnheiten ist, dass ich alle Kapitel in einem Dokument sammle. Ich mache keine Zwischenspeicherung von einzelnen Kapiteln, weil ich oft zurückscrollen muss, um irgendwelche Ereignisse oder Redearten meiner zahlreichen Nebencharaktere nachzulesen. Das bedeutet, dass meine Dateien relativ groß werden. Bei einem normalen Buchmanuskript von 100-150k Wörtern ist das alles kein Problem. Das wären in etwa 300 Wordseiten in meiner derzeitigen Formatierung.

Ich war bei etwa 850 Seiten, als Word streikte.

Eines Tages erhielt ich ein Pop-Up, welches mir seelenruhig verkündete, dass meine Datei inzwischen zu lang ist und es keine Rechtschreibkorrektur mehr geben wird.

Ich wusste nicht mal, dass es ein Oberlimit gibt! Inzwischen bin ich bei 1000+ Seiten. Meine Fanfiction ist so lang, dass sie Word gesprengt hat. So. Jetzt können wir weiterreden.

Warum erzähle ich dir das?

Hervorragende Frage. Ich sehe leider viel zu viele Menschen, die ein Großprojekt (oder ein kleines Projekt) beginnen und schließlich einen Punkt erreichen, an dem sie aufhören. Auf Fanfictionportalen oder anderen Internetseiten lässt sich dieses Phänomen sehr gut an den Update-Intervallen ablesen.

Es fängt mit ein bis drei Wochen zwischen den Kapiteln an. Alles im Rahmen. Dann kommen die ersten Ausreden. Mein Leben ist gerade stressig, ich habe keine Zeit mehr, wir ziehen um, et cetera. Natürlich sind das alles legitime Gründe. Das Problem ist, dass die Autoren danach oft nie wieder auftauchen. Und wenn, dann Monate, teilweise Jahre später (kein Witz), nur um ein einzelnes Kapitel hochzuladen und wieder zu verschwinden.

Mir bricht so etwas das Herz. Nicht, weil ich unbedingt die Story zu Ende lesen wollte, sondern weil ich jemanden sehe, der es nicht schafft, sich hinter sein Schreibprojekt zu klemmen und es wirklich zu Ende zu schreiben. Wenn man sich diese Ausdauer nicht aneignet, Geschichten zu beenden, auch wenn man sich zwischendurch weiterentwickelt hat und am liebsten die ganze erste Hälfte umschreiben will, auch wenn man neue Ideen für eine andere Geschichte hat (Wenn Ideen Amok laufen, irgendjemand?), wird sich das beim Bücherschreiben nicht einfach ändern.

Ich habe auch einige angefangene Bücher, die nie fertig wurden, weil ich damals noch nicht aktiv geschrieben habe und einfach wieder das Interesse am Schreiben verlor. Aber ich habe mein letztes Buch fertig geschrieben. Ich habe eine Novelle fertig geschrieben. Ich bin kurz davor, ein Monsterprojekt zu beenden, obwohl ich gerade gerne andere Sachen schreiben würde.

Schreibblockaden passieren mir immer häufiger. An manchen Tagen muss ich mich zwingen, nicht alles hinzuschmeißen und einfach mit meinem neuen Buch anzufangen. Aber ich habe die Entscheidung getroffen, meine Fanfiction online hochzuladen. Ich habe Leser und das bedeutet, dass ich mich verdammt nochmal hinsetze und es beende. Verantwortung, Leute. Nicht nur Spiderman hat sie.

Egal, wie gut du schreibst, irgendwann musst du dein Buch beenden, sonst hast du keine Chance, es jemals zu veröffentlichen. In diesem Sinne:

Beende dein Projekt. Spring nicht von einem Buch zum nächsten, nur weil du die anfängliche Lust verloren hast. Klemm dich dahinter, trainier deine Ausdauer. Das Gefühl, wenn eine deiner Geschichten wirklich fertig geschrieben ist, macht all den Schmerz davor wieder wett. Versprochen.


Was ist mit euch? Habt ihr schon ein fertiges Projekt unter dem Gürtel oder müsst ihr euch noch durchbeißen? Wie viele abgebrochene Geschichten fliegen bei euch rum?

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15 Gedanken zu “Projekte fertig schreiben

  1. Erst einmal ein Hoch auf die Fanfiction- Autorin, die ihre Leser nicht enttäuscht!

    Wirklich, Respekt. Du musst dir verdammt viel Ausdauer antrainiert haben.
    Wie du sicher schon mitbekommen hast, muss ich mich immer noch durchbeißen. Bisher habe ich alle meine Projekte, bis auf dieses eine, abgebrochen.
    Ich schätze es lag vor allem daran, dass ich mich nicht auf eine Sache konzentriert habe, sondern parallel noch an anderen Sachen gearbeitet habe. Dieser Überfluss an Inspiration hat es gekillt. Ideen habe ich sofort verwirklicht, anstatt abzuwarten und es mir für einen späteren Zeitpunkt aufzubewahren.
    An manchen Tagen habe ich bis zum Erbrechen geschrieben, dann wochenlange Pausen eingelegt, weil es zu viel war. Ja, so ist das dann.
    Aber immerhin habe ich meine Lektion gelernt und kann es jetzt besser machen. =D

    Also, auf ein neues Projekt, das auch wirklich beendet wird!

    Mit Schweiß, Blut, und so!

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    1. Hehe, danke 😀 Ich gebe mein bestes^^

      Schweiß und Blut, das will ich hören xD
      Aber jetzt im Ernst, ich feuere dich sehr an, dass es dieses Mal klappt! Bei mir hat es zwei Anläufe des „Jetzt aber wirklich!“ gebraucht, bis es wirklich funktioniert hat. Wenn es bei dir, wie du sagst, ein häufig auftretendes Phänomen ist, kannst du vielleicht mal deine Methoden unter die Lupe nehmen.
      Bei mir ging es bis dahin nie, weil ich nicht genug/zu viel vorher geplant hatte, denke ich. Vielleicht brauchst du mehr oder weniger Planung oder etwas anderes, das es dir einfacher macht 🙂

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  2. Was sind 500k, 100k und 150k für Zahlen? Was ist in Sachen Wortzahl ein „normales Buchmanuskript“? Was soll ich mit „300 Wordseiten“ anfangen, wenn ich keine Ahnung habe, wie die Formatierung aussieht?

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    1. Tut mir leid, wenn ich das nicht gut ausgedrückt habe 🙂

      Der Buchstabe k steht für tausend, sprich, 100.000 Wörter, 500.000 Wörter, etc. Ich habe das ganze noch in Wordseiten angegeben, weil sich viele nichts unter Wortzahlen vorstellen können, aber das ist wie du sagst völlig vom Format abhängig.
      Meine derzeitige Formatierung ist: Calibri, Schriftgröße 11, 1,5-facher Zeilenabstand. Aber ich beziehe mich lieber auf Wortanzahlen.

      „Normal“ ist natürlich relativ, aber die meisten Fantasy-Manuskripte (wenn sie nicht gerade von Brandon Sanderson oder Patrick Rothfuss stammen) bewegen sich im Bereich von etwa 80.000-180.000 Wörtern. Manche sind natürlich länger oder auch kürzer, aber das ist so die Erfahrung, die ich mit Manuskriptlängen gemacht habe 😉

      LG, Otterfly

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      1. Verstehe. Danke für die Auskunft. Gib doch einfach Normseiten an (also Zahl der Zeichen inkl. Leerzeichen geteilt durch 1500 oder 1600)! Das ist dann etwa die Länge, die der Seite eines handelsüblichen Taschenbuches entspricht.

        Ein Nachbar-Blogger hier bei wordpress hat offenbar ganz gute Erfahrungen damit gemacht, sich einen sehr konkreten Zeitplan für das Schreiben aufzustellen. Auch keine schlechte Idee für Leute, denen die Schreiblust unterwegs abhandenkommt.

        zur Komplettierung:
        „Nicht zu Ende schreiben“ kenne ich so gut wie gar nicht (*), „nicht fertigmachen“ – weil z. B. die Qualität nicht reicht – schon eher.
        (* außer mal bei einer FanFic – erst war keine Zeit, dann bin ich aus dem Forum ausgestiegen. Der Stoff lohnt auch nicht, er war von Anfang an nicht gut durchdacht.)

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      2. Danke für den Tipp. Ich rechne nicht gerne in Zeichen, weil das immer so unübersichtliche Zahlen sind, aber ich habe mir mal den Spaß erlaubt, meine Fanfiction in Normseiten umzurechnen. Das läuft auf >2000 Seiten hinaus xD

        Dass der Stoff nicht lohnt, kenne ich auch. Manchmal merkt man einfach schon sehr früh, das etwas überhaupt nicht funktioniert, dann sollte man lieber nochmal neu aufziehen oder die Geschichte vorerst ganz lassen^^

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  3. Ich gebe zu, die einzigen Dinge, die ich fertiggestellt habe, waren bisher nur Kurzgeschichten, Gedichte und eine ToKill-Liste und mit 2 Büchern auf Eis (eines wird aber hoffentlich wieder aufgetaut) wird das Verlangen dieses Mal echt groß, das Buch fertigzustellen.
    Ist das Ziel felsenfest? Darauf kannst du wetten!
    Werde ich es schaffen? So, keine Ahnung!
    Habe ich mir mit der öffentlichen zur Schaustellung von „Guckt mal, ich schreibe ein Buch“ eine tolle Motivation gegeben? Sowas von. Wenn ich jetzt nochmals was abbreche, wird es ziemlich beschämend und dann werde ich auf meinem Blog schön breittreten dürfen, warum ich wieder gefailt habe.

    Und das wird diesmal nicht dazu kommen B)

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  4. Hey ho 😀

    Erst einmal finde ich deinen Artikel wie immer äußerst interessant und ich bin beeindruckt von deiner Ausdauer, vor allem, was es deine Fanfiction betrifft! 🙂

    Glücklicherweise kann ich mit Stolz sagen, dass ich den ersten Band meiner Romantasy-Reihe Lavé bereits fertig und veröffentlicht habe. 😀 Ich hatte bei diesem „Teilprojekt“ auch so meine Höhen und Tiefen, aber ich wusste, was ich wollte (wobei die Entscheidung, es zu veröffentlichen, erst gegen Ende des ersten Entwurfs kam).
    Momentan arbeite ich am zweiten Teil und muss gestehen, dass ich mit dem Tief der letzten zwei, drei Monate nie gerechnet hätte. Manchmal habe ich schon den Gedanken, einfach alles hinzuschmeißen und zu verbrennen, ja … Nicht, weil ich keine Ausdauer hätte, sondern wegen gewisser Einflüsse, die mir manchmal zu schaffen machen. Trotzdem weiß ich, dass ich nie aufhören werde, weiterzuschreiben. Dieses Projekt wird beendet! :]
    Denn wie du es bereits gesagt hast: Es gibt Leser, die nicht enttäuscht werden wollen!

    LG ~
    Joe

    P.S.: Bei deinen Artikeln habe ich irgendwie immer was zu kommentieren. 😀 Gefällt mir. 🙂

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    1. Danke 😀 Ich bemühe mich, die Blogposts kommentierbar zu halten^^

      Das Tief kenne ich. Ich war im letzten Drittel meiner Fanfiction (Anfang diesen Jahres), als einfach gar nichts mehr ging. Totale Blockade, keine Lust, keine Energie, kein gar nichts. Jetzt hat sich das wieder gelegt, aber solche Phasen sind wirklich furchtbar.

      Was für Einflüsse meinst du denn? 😮

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      1. Ja, sind sie, aber solange diese Phasen nur vorübergehend (auf kurze oder lange Sicht), ist es letztendlich auszuhalten. 🙂

        Na ja, andere Menschen eben, die einen runterziehen, bewusst oder unbewusst.
        Aber das ist eher weniger schlimm. Am schlimmsten ist bei mir die Faulheit. 😀

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  5. Das beste Mittel um eine Geschichte nicht abzubrechen ist für mich, sie vornherein zu Ende zu denken. Wenn man sich nur von Kapitel zu Kapitel hangelt kommt man früher oder später an den Punkt, wo die Geschichte nicht mehr will. Konzept, Heruterschreiben, Überarbeiten. Weiche ich ab, kann ich jetzt schon sagen, dass nichts daraus wird. Schöner Artikel.

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    1. So geht es mir auch 😀 Wenn ich weiß, worauf ich hinarbeite, habe ich so viel Vorfreude auf all die Szenen, die noch kommen, dass mir das allein schon Motivation gibt. Gleichzeitig muss ich keine Angst haben, dass die Geschichte ins Leere läuft, weil ja schon alles durchgeplant ist^^

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  6. Haha….du hast Word gesprengt XD Das ist ja mal krass…
    Ich bin inzwischen an dem Punkt angelangt, wo es einerseits total Spaß macht und ich andererseits EXTREM froh bin, wenn ich das Projekt fertig habe. Aufhören ist keine Option mehr, dafür steckt einfach schon viel zu viel Arbeit und HErzblut drin.

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